„Von der Brust zur Leinwand – Muttermilch in der Kunst“ Essay für Science Notes Magazin, 2023

Im Christentum zeichneten Künstler:innen das Bild der perfekten Mutter. Dazu gehörte auch, dass sie ihr Baby stillte. Abgesehen davon blieb das Stillen wenig sichtbar in der Kunst. Eine Reise durch die Kunstgeschichte der Muttermilch.

Muttermilch spritzte aus den Brüsten der Göttin Hera in den Himmel. Dort verwandelten sich die Tropfen zu Sternen, Sternenstaub, zu einer ganzen Galaxie, der Milchstraße. Noch heute trägt das Wort Galaxie diesen Mythos in sich: Gala ist griechisch und bedeutet Milch.

Nicht nur im Mythos lässt Muttermilch Welten und damit Leben entstehen. Muttermilch ist die erste Nahrung für uns Menschen und all die anderen unfertig geborenen Tiere – und sie definiert uns: Wir gehören zur Klasse der Mammalia, der Säugetiere. Trotz, beziehungsweise gerade wegen dieser zentralen Bedeutung, ist Muttermilch stark symbolisch aufgeladen. Sie gilt häufig als das beste, gesündeste und natürlichste Lebensmittel für Neugeborene. In modernen Gesellschaften ist sie allgegenwärtig und gleichzeitig unsichtbar. Ebenso in der männerdominierten Kunstgeschichte: Dort ist die stillende Mutter über viele Epochen und Länder hinweg ein Topos, in dem der Akt des Stillens direkt verknüpft ist mit mütterlicher Liebe und Fürsorge. In der Kunst ist Muttermilch also weniger Symbol für ein Lebensmittel, sondern steht vielmehr für die aufopfernde Mutter selbst. Erst zeitgenössische Künstlerinnen stellen dieses Bild in Frage und nutzen das Thema Stillen, um selbstbestimmt über Körper und Körperbild zu sprechen und auch die anstrengenden und tabuisierten Seiten des Stillens zu thematisieren. Wie genau hat sich das Bild der stillenden Mutter im Lauf der Zeit gewandelt? Eine kleine Reise durch die Kunstgeschichte der Muttermilch.

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Von der Brust zur Leinwand: Muttermilch in der Kunst